29.11.2020

Der Bildgelehrte

(Beginn des zweiten Strangs der Parallelerzählung Der Heliograf und der Bildgelehrte)

Der Morgen war farblos und opak und schien in einem fortwährenden Anbruch gefangen – eine gestockte Dämmerstunde. Was von draußen hereinsickerte hätte kein Gefühl dafür aufkommen lassen, wie weit er schon fortgeschritten war. Indem ich die gewohnten ersten Verrichtungen in Angriff nahm, versuchte ich seiner Kraftlosigkeit etwas entgegenzusetzen. Freilich, nichts zwang mich heute. Als ich ins Schlafzimmer zurückkehrte, war mir, als sähe ich Schwaden kalten Dunsts hereinziehen und Wege suchen, die Wärme bis ins Innerste auszulöschen. Fröstelnd schloss ich die Fenster, brachte das Bett in Ordnung und begab mich nun rasch – doch später als üblich an Tagen, die frei von Terminen waren – ans andere Ende der Wohnung, um mich an meinen Arbeitsplatz zu setzen. Ich überlegte, ob die Straßenbeleuchtung ungeachtet der Verhältnisse bereits zur festen Stunde erloschen war. Unschlüssig schaltete ich die Leselampe an und wieder aus.
Vor mir lagen Bücher, Aufsätze und Auszüge, die ich vor Wochen zusammengesammelt, dann aber liegengelassen hatte. Vorausgegangen war die Ahnung, deren Zusammenschau würde mich einer Fährte folgen lassen, denn ich meinte im Schrifttum übersehene gedankliche Korrespondenzen erkannt zu haben, die zu vertiefen vielleicht lohnte. Die Idee war mir schon lange reizvoll erschienen, und ich hatte sie neulich aufgegriffen, als es darum ging, einen Beitrag für ein Symposium und eine Festschrift zu konzipieren. Damit galt es, akademischer Tradition folgend, einen Emeritus der Fakultät anlässlich eines runden Geburtstags öffentlich zu ehren. Ihm, der an seinem Nimbus, welcher ihm nebenbei manche Freiheit verschafft hatte, unverhohlen Gefallen fand und das Aufheben zweifellos genießen würde, hatten zahlreiche über den halben Erdball Verstreute viel zu verdanken. Obwohl auch ich mich seiner Person und Wirkung kaum weniger als die Nächststehenden verpflichtet sah, beabsichtigte ich, auf dessen schulbildendes ikonografisches Werk nicht offen zu verweisen. Für die nicht wenigen Kenner unter den späteren Hörern und Lesern würden Bezüge auch zwischen den Zeilen einfach zu erfassen sein.
Dies war, was man sich in unserem Kreis unter einem freudigen Ereignis vorzustellen hatte. Selbst wenn man bedachte, wie etwa unerwartet sich ergebende Seitenpfade und andere Abschweifungen ein solches Unterfangen in die Länge ziehen konnten, war die Frist hinreichend und die Vorbereitung nicht über Notizen einiger zwingend zu zitierender Stellen hinaus gediehen. Das Anregende des Einfalls war jedoch unterdessen schal und die Aufgabe zu einer unter anderen zu erledigenden geworden – auf natürlichste und gleichwohl etwas beschämende Weise. Nur verlor, anders als an geschäftigen Tagen, nun überhaupt die gewohnte Rolle eines Verfassers von Sekundärschriften jede Selbstverständlichkeit. Wie in den ziellosesten Stunden, die plötzlich alles wie von ferne betrachten lassen, empfand ich mich als einen Zuspätgekommenen. Es reihten sich wiederkehrende Vorstellungen: dass dieselben Erwägungen und Schlüsse sich wie von selbst auch in den Köpfen anderer ergäben, gingen diese an dieselben Lektüren mit denselben naheliegenden Fragen heran; dass es ein Leichtes wäre, an Manifestationen des Denkstils, an Begrifflichkeit und Ausdrucksweise selbst der am freiesten angelegten meiner Aufsätze abzulesen, mit welchen Autoren ich mich zuletzt befasst hatte; dass meine Darlegungen über den jeweiligen Anlass hinaus zu wenig wahrgenommen würden, wenn ich nicht später selbst darauf rekurrierte, und so fort… Auch war mir, wenn ich zu einem Abschluss kam, wenn sich die Dinge endlich stimmig und elegant fügten, nicht selten, als müsste dergleichen bereits hervorgebracht worden sein und ich hätte womöglich auch dort, wo es nicht der Absicht entsprach, lediglich nacherzählt – was einen konfusen Drang, das Schrifttum erneut zu sichten, auslösen konnte. Es beruhigte mich dann höchstens oberflächlich, wenn die schulterklopfenden unter den Kollegen, deren Tätigkeit allerdings ganz anderem Partikularem galt, meinen Arbeiten gelegentlich Originalität attestierten. Derlei Schmeicheleien pflegte ich mit einem wissenden Lächeln zu quittieren, welches wohl allzu durchschaubar war. Auch dies im Übrigen eine jener, vielleicht die peinlichste aller Vorstellungen: für andere ein offenes Buch zu sein.
Als könnte mir dies aus der drohenden Klemme helfen, hob ich die Ecke eines der gehefteten Papiere und ließ es, Seite für Seite, mit dem Daumen herabschnalzen. Ich wusste darin einen der Gedankengänge ausgeführt, in deren Kern ich zwei Theoretiker verschiedener Zeiten einander treffen sah, mochten sie auch unterschiedliche Termini verwendet haben. Ich wäre kaum Gefahr gelaufen, mich dem Vorwurf gedanklicher Unschärfe auszusetzen, hätte ich dieses Verwandte zusammengeführt – doch wurde mir quälend bewusst, dass beiderlei Formulierungen vor jeglicher Erkenntnis im Grunde eines bezeugten: eine besondere Art von Bereitwilligkeit, sich illusionieren zu lassen – doch eben nicht allein auf die Weise, wie dies durch Bilder stets und zwangsläufig geschah. Was aber auf nichts weiter als subjektivistischer Täuschung beruhte, war schlechterdings kein Terrain, auf welches sich Seriöses gründen ließ. Umso bemerkenswerter, dass solches in neuem Gewand wiedergekehrt war.
Ich blickte zum Fenster und wähnte mich abermals in einer angehaltenen Morgendämmerung. Aus dickem Nebel, welcher der Grund war, warum sich der Tag so schleppend anließ, traten auf der anderen Straßenseite, im Zwischenraum der Laternenpfosten, jene Kiefern hervor, hinter denen ich sonst die Wiese mit dem umlaufenden Weg sehen konnte und die mich manchmal an die malträtierten Pechbäume oder die von Kiesgruben und erstickten Brandherden durchsetzten Schwarzföhrenforste des Umlands erinnerten. Stattdessen nun bloß ein ins Milchige abtauchender Streifen Erdreich, darauf gestaffelt die vordersten Stämme – ein jeder auf eigene Weise zu zierlich wirkend, keiner gerade, jeder anders gekrümmt oder geneigt und trotzdem die schweren Klumpen seiner beschlagenen Krone möglichst hoch balancierend. Indem die trübe Materie zwischen ihnen die Eigenart jeder Gestalt zur Geltung brachte, die Tiefe verdeutlichte und das Weitere verbarg, eröffnete sie Überraschendes: Als wäre ich nicht vertraut mit der Örtlichkeit, die lediglich einer der ausgesparten Flecken zwischen den Verdichtungen der Großstadt war, erschien mir die Baumgruppe mit einem Mal wie der Vorposten eines Bestands, der sich mit einem Tausendfachen an Wipfeln bis jenseits eines fernen Horizonts hinziehen konnte. Maschendraht, Randstein, Asphalt, und was sonst um sie her sein mochte, verblasste. Vielmehr wies der Flug einer im Nebel verschwindenden Krähe in ein Unbestimmtes, das zu entwickeln oder auszuschlagen freigestellt war.
Gedämpft waren die Geräusche und Scheinwerferlichter, aber unvermeidlich kam die Ablenkung von der Straße. Ich wartete das eine oder andere querende Fahrzeug, wartete auch noch den Linienbus ab. Dann suchte ich den verflüchtigten Eindruck wiederzugewinnen – um wenigstens eines Nachklangs jener Wirkung willen, welche das unwillkürliche Spiel der Imagination aus dem Anblick des verschleierten Raumes empfangen hatte. In diesem Moment jedoch lenkte eine Assoziation meine Aufmerksamkeit einwärts: Ich musste an bemalte papierene Wandschirme aus der Hand eines klassischen japanischen Meisters denken, dessen sparsame, immerzu noch weiter verdünnte Tuschelasuren aus kaum mehr als inselhaften Keimen einen ganzen unabsehbaren, nebelverhüllten Kiefernwald vor dem Betrachter erstehen ließen. So groß war die Wertschätzung, die dem Werk entgegengebracht wurde, dass das fragile Paar durchscheinender Faltschirme, allein emporgestellt auf das Podest eines dunklen Saals und, wie andernorts die protzigsten Monumente nächtlicher Hauptplätze, aus verborgenen Quellen ausgeleuchtet, mittlerweile ein Schatzhaus von allerhöchstem Rang bereicherte.
Nichts davon wusste ich freilich aus eigener Anschauung, und meine Kenntnisse waren damit schon erschöpft. Abhilfe vermutete ich in meiner Bibliothek, denn die öffentlichen Sammlungen waren längst für weltweite Leserschaften monografisch aufbereitet worden. Doch stellte sich heraus, dass hier nur spärliche Realien zur Hand waren und ich Vertiefendes vergebens suchte. Hingegen fand ich großformatige Illustrationen, Detailaufnahmen mit bräunlichgrauen Tönen auf hell pergamentfarbenem Grund. Mein Blick verfing sich an einer Wurzel, die eine Geländeerhebung – einen spitzen Felshöcker etwa – umklammerte. Von einer mit knapper Geste angefügten Verzweigung abgesehen, bestand diese in einem einzelnen breit durchgezogenen, in überzeichnender Manier hochauf und abwärts ins Leere geschwungenen Pinselstrich, welcher Niederschlag eines einzigen konzentrierten Atemzugs sein mochte. Die darüber aufragenden Stämme, die verschieden dunkles, schütteres Astwerk trugen, schienen auf den zweiten Blick einander in Teilen auf die eine oder andere Weise zu entsprechen. Flüchtig konnte man meinen, im Nebeneinander dieses und jenes vielleicht gar ein und denselben Baum zu sehen, den auf- und niederziehende Nebelschwaden einmal mehr, einmal weniger dicht umgaben. An den Kronen waren ganze Nadelbüschel wie in einem Zug mit gebündeltem Bambusstroh oder einem groben Reisigpinsel gesetzt. Die immer etwas abgewandelt wiederholten Strichelungen wirkten dabei so unfest, als wären sie die Spuren der im Wind schwingenden Zweige selbst. Jede Partie schien ein Echo in benachbarten zu haben. Alles war vereinzelt und klang doch zusammen...

30.10.2020

zwei haiku


#35

am weg zur arbeit
huschen schatten vor mir her –
fallende blätter


#36

kalter morgenwind 
im verwaisten spinnennetz 
starben die fliegen


28.09.2020

Vorstadtwäldchen

Wäre nicht die alte Fabrik, aus deren gespenstischem Lichtschein es nachtlang weithin hörbar zu rumpeln pflegte – die schmale Straße wäre hier einst hauptsächlich zwischen Feldern verlaufen. Immer noch erstreckt sich gegenüber dem vor vielen Jahren verstummten Werksgrund, um den mittlerweile eine Vorstadtsiedlung entstanden ist, seitab der Straße eine dicht von Bäumen und Büschen verwachsene Fläche. Wäre diese nur um ein oder zwei Baumkronen weniger breit und ärmer an Unterholz – man könnte vom Fußweg, welcher deren Saum der Länge nach durchzieht, selbst im Sommer zur Gänze hindurchblicken und wäre einer Illusion beraubt. So aber bleibt die dahinter angrenzende Reihe von Gärten und Kleinhäusern einem aus westlicher Richtung hierher Verschlagenen fürs Erste verborgen, und die Bezeichnung Wäldchen erscheint nicht zu groß gewählt für das, was einen Windschutzstreifen an Ausdehnung nur wenig übertrifft. Gelegentlich gehen von jenem Weg unauffällige Trampelpfade ins Innere ab. Welchem von ihnen auch immer man, einer Art Forscherneugier nachgebend, folgt – unversehens drohen dem gewohnheitsmäßigen Stadtwanderer die eingeprägten Raster zu versagen. Wohin ist man geraten? Es scheint, als hätten Nomaden – hierorts? – ein halbes Dutzend Nachtlager dem Verfall überlassen. Sofern sie nicht unter der eigenen Last zusammengestürzt oder – man meint es zu erahnen – mutwillig zerstört worden sind, bestehen sie aus gegen einen einzelnen Baumstamm gelehntem Totholz, ohne etwas wie Zelttuch ungeeignet, noch irgendeinen Zweck zu erfüllen. Streift man aber ein wenig weiter, tritt aus der Deckung beinah mannshohen Brombeerdickichts ein Gebilde von der Form einer kleinen Jurte, in welche man aufrecht eintreten könnte. Vier Bäume umspannend, ein von eingeflochtenen Waldreben zusammengehaltener, mit einer durch Äste beschwerten Plane überdachter Kegelstumpf, böte dieser Verschlag wirksamen Schutz bei allen erdenklichen Wettern – bloß zu wessen Nutzen? Da man an Not nicht glauben mag, spielenden Kindern derlei Fertigkeit jedoch nicht zutraut, sucht man nach Drittem, ohne zu einem Schluss zu kommen. Noch während man die eine haltlose Überlegung verwirft und die andere wieder aufgreift, stößt vielleicht lautlos aus der Weite im Rücken, mit einer kleinen erschlafften Beute in der Klaue, ein Sperber ins Gehölz und verschwindet kaum einen Flügelschlag später im Uneinsehbaren wie ein Spuk.

18.09.2020

haiku #34


noch knistert der platz
vom frischen asphalt – ringsher
lugen die tauben

29.08.2020

Der Heliograf

(Beginn einer Erzählung)

Vertrauen wir fürs Erste ganz den forschenden Augen. Gleich jenen, die das Unikat schon früher erkundet haben, nähmen unsere Augen im Schweifen über die ein wenig verkratzte Oberfläche nicht nur ihren metallischen Glanz wahr. Sie fänden diesen in Abstufungen gebrochen, sähen etwas darauf mit dem Schimmer widerstreiten und in bläulichen Tönen, ähnlich einer schwachen und ungleichmäßigen Patina, sich vom Silbrigen scheiden. Wir könnten versucht sein, schon jetzt, ehe wir noch begriffen hätten, was an Fasslichem hier durchaus vorhanden ist, die Fantasie von der Leine zu lassen und einem jener Trugbilder nachzuhängen, wie wir sie uns bisweilen aus einem verborgenen Beweggrund zurechtzumachen neigen. Doch bemühen wir erst noch ein wenig unsere Augen, unter deren Abwenden sich einzelne Konturen abgezeichnet, dreieckige, viereckige Flächen sich voneinander abzuheben und das erstarrte Spiegelbild einer Szenerie Gestalt anzunehmen begonnen hätten. Stellen wir uns vor, dem Wegschauen wäre also ein Erahnen zuvorgekommen, welches uns für das neuerliche, höchstens noch für die Dauer eines Zwinkerns ablassende Schauen einen günstigeren Lichteinfall suchen ließe. Wir bemerkten dabei, wie uns unter dem richtigen Betrachtungswinkel das Bild augenblicklich einließe, und vermieden darauf jede Bewegung, die es wieder ein Stück, wenn auch nie mehr ganz, schlösse. Wäre das Nebulose erst ein für allemal zum Aufklaren gebracht, so hielten wir uns aufmerkend an die von links und rechts zugleich hervorbrechende Helligkeit, an einen in deren Fülle hinaus offen stehenden Fensterflügel, an den Grad der Belaubung einer Baumkrone, und mangels Überlieferung der genaueren Umstände ersähen wir aus der Summe des Spärlichen, das allein unserer Suche nach Gewissheit als Indiz taugte, dass es ein Sommertag gewesen sein dürfte, der sich hierin gleichsam selbst bezeugt. »Les premieres résultats obtenus spontenément par l'action de la lumière« und »Monsieur Niépce's first successful experiment of fixing permanently the Image from Nature« – diese handschriftlichen Vermerke fänden wir schließlich rückseitig über den Namenszügen der einstigen Besitzer. Den Bildträger mitsamt dem vergoldeten Holzrahmen, dessen geschnitzte Ornamente an manchen Stellen abgesprungen sind, tatsächlich in Händen zu halten setzte allerdings die Befugnis voraus, das sorglichst eingekapselte Exponat der Schutzatmosphäre einer eigens für dieses eingerichteten und mit einer Glasscheibe abgedichteten Wandnische zu entnehmen, sowie einer darin angebrachten Vorrichtung, deren Neigung ebenso wie die Beleuchtung ohnedies dem Erkennen förderlich ist. Ein Spiel der Fantasie um nichts weniger als alles Weitere...

Als N., den wir seinem historischen Vorbild nachzuempfinden versuchen, ohne von diesem, selbst in Kenntnis der schriftlichen Hinterlassenschaft, annähernd wissen zu können, was wir von jenem hier zu wissen vorgeben – als unser N. die chambre obscure, welche der geschätzte Chevalier nach seinen Vorgaben gefertigt hatte, ans Fenster seines Arbeitszimmers in Saint-Loup-de-Varennes stellte, war der Morgen dazu angetan, die Reste substanzloser Zweifel auszuräumen. Bis an einen Anflug hinfälliger Wolkenstreifen stand die Luft weithin klar. Wie unter einem Schauglas lag im Ausschnitt des Fensters das Anwesen, dessen Name Le Gras vorbehaltlos eine ertragreiche Flur verhieß, was in diesem Moment freilich wenig zur Sache tat. Alle Vorkehrungen waren getroffen: Mit einer Lösung von Judäapech aus Seyssel, welches er neuerdings dem von Gonaïve importierten Guajakharz vorzog, hatte N. eine polierte Platte aus Weißzinn zuerst gleichmäßig gefirnisst und bei Tagesanbruch in die Camera obscura eingelegt. Letztere, ein Kästchen aus Nussholz, bedeutend gewichtiger als zuvor die eigenhändig konstruierten, war ein Markstein in der Reihe seiner Instrumente, die vor etlichen Jahren in einer zweckentfremdeten Schmuckschatulle ihren Anfang genommen hatte. Für die nachträgliche Bearbeitung der Platte lagen im hinteren Winkel Lavendelöl, Kerosin und ein paar einfache Utensilien bereit. Ihm blieb vorerst nur abzuwarten, während zu wirken allein dem Licht oblag, denn das Maß der Wirkung hing – mit der erprobten Naturgesetzlichkeit, die ein beharrlicher Geist eines Tages besser zu nutzen verstünde – ganz vom Grad ab, in dem die Objekte im Gesichtsfeld von der Sonne widerschienen. Umgekehrt liegt es jetzt an uns, ausgehend vom Ergebnis der einstigen Bestrebung, der toten Materie der Heliografie, eine Vorstellung vom Leben, dem diese sich verdankt, in Gang zu setzen. Sehen wir also, worin sich der Schlüssel finden ließe, die Starre zu lösen...
Die Sonne stand noch tief, erwärmte aber bereits den pigeonnier, an dem einige Bewegung eingesetzt hatte, schon bevor das Aufstoßen der Fensterflügel dessen Bewohner vollends aufschreckte. Energisch schlugen die Tauben unterschiedliche Bahnen ein, als ob in der ersten Unschlüssigkeit jede die Richtung vorgeben wollte, lenkten dann aber ohne Umschweife in stummem Einverständnis eine um die andere ein, auf das Dach des niedrigen Schuppens zu, wo sie nacheinander mit gleichen sacht aufsetzenden Gesten landeten. Dort saßen sie nun scheinbar einmütig beisammen, und bald ließen sich zwei oder drei ganz niedersinken, als wäre hier der ihnen gemäßeste Aufenthalt. Gedankenbilder – von Artverwandten, die aus wilden Felsklippen Ausschau hielten oder die antiker Kunstwille in ein Mosaik gefügt hatte – drängten sich auf und fielen flüchtig in eins mit dem Anblick der hellen Schar im Schiefergrau der Dachsteine, als wäre sie nicht bloß die Zucht eines burgundischen Gutsbesitzers und ihr Betrachter kein fortschrittsversessener Privatgelehrter. Wiederum hasteten die Vögel auf, stiegen nun hinter dem Schornstein des Backhauses hoch, verschwanden hinter dem vorstehenden Wirtschaftstrakt, erschienen dann am Rand des Obstgartens, über den sie ihre Bahnen hinwegzuwölben anhoben, drehten jedoch beim alten Birnbaum wieder herein und kehrten, ihre im Fensterglas aufblinkenden Spiegelungen im selben Zug wegwischend, an den Ausgangsort zurück, an dem es sie wohl abermals nicht lange halten würde. Während ihr agitiertes Rucken aus dem Blick geriet, drangen Reden und Widerreden ihrer Kehllaute anhaltend ins allem aufgetane Zimmer, dessen Wände Flügelgeräusche und dessen dunkle Holzdielen einen quergeworfenen Sonnenreflex einfingen, wo der Brodem des Lavendelöls einem Gemisch aus trocknenden Kräutern und einsetzender Gärung wich und Haut von der hereinsickernden Milde gleichwohl erschauerte. Es war merkwürdig, wie diese treuen Wesen, die aus jeder noch so großen Ferne unbeirrt in ihren Schlag heimgekehrt wären, oft auch ohne erkennbaren Grund eine derartige Ruhelosigkeit überkam. Da sie, anders als die Unruhe der Zugvögel, kein Ziel kannte, musste sie sich wohl in umso flatterigeren Ortswechseln im allernächsten Umkreis äußern. Man mochte es bedauern, aber das erregte, unstete Gehabe würde auch bei diesem Versuch keinerlei Spur hinterlassen. Nur das morgendlich empfängliche Gemüt antwortete, während N. in steifer Haltung verharrte, um nicht durch eine unbedachte Regung die Kamera zu verrücken, im Stillen mit Wellen von Ungestüm und Sänftigung.
Wenn N. den Hof betrachtete, unterschied er in den kleinen Veränderungen des Vertrauten das rundweg Neue vom Wiederkehrenden. Hinter dem Schuppen schimmerte der Birnbaum – das Grün, ohne Zutun einer Luftbewegung, allein vom Streiflicht aufgefächert in ein hundertfältiges. Eine Landmarke nur in der überhöhenden Karte seiner eigensten Anschauung, bezeichnete dieser den verschliffenen Geländeknick, der die Schwelle zum Garten bildete. Der Baum kam dort in den Genuss besten Erdreichs, des gesamten Sonnengangs und streichenden Grundwassers, das am Fuß des schwachen Gefälles, bevor die Rübenäcker anfingen, inmitten eines von hier nicht einsehbaren Gehölzes einen schmalen Weiher speiste, und durch die Gebäude erhielt er zudem etwas Deckung gegen Nordwind. Dass die ehemals so dichte Krone dennoch schütter wirkte, rührte von der Last eines der überreichen und doch wenig ergiebigen Fruchtjahre. Ein ums andere Mal hatte der Schorf die beurrés blancs, die Weißen Butterbirnen, befallen und bis zum Spätsommer allmählich zerfressen, so dass nur zu hoffen geblieben war, nicht alle würden schon mit der Reife schrundig und schwarz. Die wirkliche Sorge hatte freilich dem Ertrag der Felder gegolten, wo sie sich in den Jahren der Kontinentalsperre im Anbau von Färberwaid für die Gewinnung des bleu pastel versucht hatten. Letztlich war die bescheidene Beteiligung an der Wiederbelebung jener überkommenen Praktiken eine opportunistische Unternehmung gewesen, die einigermaßen leichten Herzens wieder aufgegeben werden konnte. Die seither kultivierten Zuckerrüben hatten demgegenüber immerhin den Reiz des Fortschrittlichen, soweit dem Landbau dergleichen überhaupt abzugewinnen war. Ausdauer verdienten dagegen die Ansätze jener Erfindungen, an denen der ferne Bruder, der Verbündete in der Sache eines Motors ohne Verbrauch, und er arbeiteten, nicht ohne mittlerweile erhebliche Bankkredite besichern zu müssen. War ihm daher in der Zuversicht, als ob er auf Vorschuss experimentiere, so versagte er sich in der Entmutigung jegliches Versprechen. Im Vorgriff auf die Zukunft konnte man sich schließlich allzu rasch verschätzen. Wie leicht konnten sie am Ende noch gezwungen sein, allen Besitz jenseits des engsten Gesichtskreises zu veräußern.
N. schloss ein Auge, kniff die Lider des anderen etwas zusammen und bemühte sich so, weniger durch die Körperlichkeit der Einzelheiten vom Eindruck des Ganzen abgelenkt, die Aussicht eher als eine Projektion von Hell und Dunkel vorstellbar zu machen. Eine Art durch das Sonnenlicht gravierten Stichs, der gänzlich frei wäre vom Anerzogenen oder Kapriziösen eines Stils, unberührt auch von der Bestechlichkeit des Auges, ein uneitles und exaktes Selbstbildnis der Natur galt es festzuhalten, ebenso getreu in den Tönungen der Dinge wie präzise in den perspektivischen Verhältnissen. Er bedachte den noch bevorstehenden Gang von Licht und Schatten, deren Kürzer- und Längerwerden in halber Drehung umeinander, ohne sich die Wirkung jedoch vergegenwärtigen zu können. Abermals klatschte es vom Aufflattern der Tauben, wie man es den Vogelschwingen niemals zutrauen mochte, schwenkte man bloß eine Feder durch die Luft, und dahin war der Abstand nehmende Blick, und mit diesem das geschaute Bild, in das er unwillkürlich eindrang, erschlaffend, gegen keinerlei Widerstand. Mit dem Geräusch war es, als fächelten die Flügelschläge ihm die nach Ammoniak und Moder riechende Ausdünstung des Taubenhauses entgegen, ungeachtet dessen, dass dies über die Entfernung doch eigentlich ausgeschlossen war. Dazu fiel ihm ein, dass der Putz und die Maschen der Voliere am Hühnerstall seit Längerem ausgebessert werden mussten – wie derlei Winke sich eben ergaben: zur Unzeit...

11.08.2020

19.07.2020

Der vierte Wunsch

Der Tag war wie manch anderer vergangen über allerlei gewöhnlichen Tätigkeiten, die nicht weiter erwähnenswert erscheinen und die dennoch mehr Gewissenhaftigkeit und Ausdauer verlangt hatten, als glaubhaft zu machen war. Spätabends setzte sich A. nochmals an den Schreibtisch, nun allerdings, um ein wenig mit seinen Reiseplänen voranzukommen. Zwar blieb ein Rest an Ungewissheit, ob er diese trotz der tagtäglichen Erfordernisse umsetzen könnte, doch da er den Entschluss insgeheim einmal gefasst hatte, bereitete es ihm in dem Maß, wie er das Unterwegssein ersehnte, Vergnügen, sich mit den Einzelheiten zu befassen. Er ließ dem mit zeremonieller Geste eingeschenkten Wein, der im Lampenschein leuchtendrote Schatten warf, Zeit zur Entfaltung und holte jene Landkarte hervor, die ihm eine Vorstellung verschaffen würde, welche Ziele vom in Aussicht stehenden Quartier am raschesten zu erreichen, am einfachsten zu verbinden und wie überhaupt alle Vorhaben am zweckmäßigsten zu bewerkstelligen wären. Die Erfahrung hatte ihn gelehrt, sich, wenn nicht ohnehin an die Seen, an engere Seitentäler oder an Nordlagen zu halten, deren schattige Wege, indes in der offenen Flur die flirrende Luft schwindeln machte, gegen nicht allzu große Anstrengung angenehme Nachmittage versprachen. Jede Überlegung ergab zwei weitere, und während ihn allein schon das Lesen der Karte in freudige Bewegung versetzte und jeder gewonnene Aufschluss die Neugierde in ihrer Ungestilltheit weiter aufstachelte, begannen sich seine Kräfte allmählich, jedenfalls schneller als die Kette der einander bedingenden Fragen, zu erschöpfen. Auch als er sich zum Aufhören gezwungen gesehen und schließlich zu Bett gelegt hatte, beschäftigten ihn neue Erwägungen, verdämmerten jedoch bald.
Als A. sich morgens an den Schreibtisch begab, um Nachrichten zu lesen, wunderte er sich über die aufgebreitet daliegende Landkarte. Zwar bekundete die Tatsache den Zweck, doch konnte er sich nicht erinnern, die Karte verwendet zu haben. Nachdenklich folgte er den Flussläufen, Landstraßen, Wanderwegen, die ihm schon auf die Sprünge helfen würden, setzte hinweg über Dörfer, Weiler, namenlose Gehöfte, hinein ins Blassgrün ausgedehnter Wälder, deren spärliche Schriftzüge und Symbole, ausdünnende Fahrwege und darüber hinausführende Steige ihn jedoch verdrossen, und floh auf, als er die Gefahren des nur noch von Höhenlinien durchzogenen Graus erahnte. Er faltete die Karte, trug den restlichen Wein weg, und da ihm die naheliegendste Erklärung unrichtig schien, wälzte er Gedanken an den absonderlichen Umstand, egal was er tat, beharrlich in einem fort. Darüber verbrachte er Stunde um Stunde mit Belanglosigkeiten, von denen nur dasjenige erwähnt sei, das wir als zur Geschichte gehörig erachten. Dazu zählt, dass A., als er die Karte später in einer Lade des Bücherschranks verstaute, Unzufriedenheit mit der vernachlässigten Ordnung der lieblos hineingezwängten Bände überkam – war doch die Bibliothek Spiegel der Persönlichkeit wie weniges sonst. Er überlegte, wie sie wohl am vernünftigsten zu sortieren wäre, erwog die Stimmigkeit der einen oder anderen Variante, begann erste Fächer freizuräumen und versuchsweise neu zu befüllen. Bald musste er einsehen, dass der verfügbare Platz keinesfalls ausreichen und Abhilfe an diesem Tag nicht zur Hand sein würde. Die Gedankenstürme, welche das Taxieren der Bücher aufschaukelte, wären vielleicht vorhersehbar gewesen. So sehr er nun versuchte, sich von diesen wieder zu befreien – bis spät in die Nacht sollte ihn eine immer kribbelnder, ärgerlicher, quälender, wütender werdende Unruhe um den Schlaf bringen.
Während nachtschwarze Wolken mit umbrafarbenen Säumen dabei waren, am blauenden Frühhimmel abzuziehen, stand A. bereits auf, um schnell einen Gedanken niederzuschreiben, nickte jedoch bald danach wieder ein. Eine unbestimmte Zeit später lag im Hellen ein angefangenes Notizbuch, dessen Rücken leise knackte, als er es aufschlug. Zwar fand er darin einen ersten Eintrag, in diesem aber nicht den geringsten Hinweis, warum auf der Unterlage noch ein weiteres unscheinbares Büchlein lag – in aschgraues Leinen gebundene kaum mehr als fünfzig Blatt feinen Papiers, welches am Silberschnitt da und dort zusammenhaftete. Der Band trug in schwach kontrastierender Prägung den Titel Querverweise und enthielt eine Sammlung literarischer Miniaturen von jeweils wenigen Seiten – keineswegs jüngster Hervorbringungen unbekannter Verfasser, wie A. beim Durchblättern feststellte. Wie der Band wohl in seinem Besitz gekommen und wieso er jetzt sein Interesse geweckt haben mochte? Die Autoren mussten, zumindest teilweise, im Austausch miteinander gestanden haben, denn ein Geleitwort verriet, dass sie sich sowohl in der Art eines Reigens, als auch in frei gewählter Weise aufeinander bezogen. Worin die Verbindungen bestanden, war demnach bei der ersten Lektüre nur unzureichend zu fassen. Erwies sich das Geschriebene auch in einigen Passagen als unbekümmert um Zugänglichkeit, nährte es dennoch den Eindruck aufrichtig uneitlen Bemühens, sich ins andere einzufühlen. Immer wieder umspielte es Aspekte des Vorangehenden oder versuchte dieses auf die eine oder andere Art umzudeuten, verknüpfte es in manch überraschender Wendung mit scheinbar Fernliegendem und eröffnete so ganz neue Felder. Im Glücksfall weckte es die Vorstellung einer idealen Gemeinschaft, die sich in Dialog und Anverwandlung zu steigern suchte. Doch plötzlich begann das Gedruckte vor den Augen zu flimmern und ihm das Lesen, welches jetzt vergeblichen Entzifferungsversuchen nahekam, zu verleiden. Je mehr er sich Wort um Wort zu fixieren mühte, desto unbegreiflicher zerflatterte jedes Gefüge, und sei es bloß ein einzelner Satz. Wo ein Faden gewesen war, kullerte es in alle Richtungen auseinander, zerrissen von einer Übermacht.
Tags darauf war es um Rückschlüsse diffiziler bestellt, denn nun fand A. auf seinem Schreibplatz ein Fernglas. Die gelösten Abdeckungen und der achtlos darübergeschlagene Riemen ließen keinen Zweifel daran, dass es nicht nur bereitgelegt worden war. Aus einem verschwiegenen Grund lag es zwischen Schreiblampe und Notizbuch, dessen Seiten um den eingeklemmten Stift leer waren. Das Fenstergeviert, in dem sich ein Grund vielleicht erweisen würde, reichte nicht aus, die Ansicht eines Baumes, der im Austreiben noch durchsichtig für seine unzähligen Verästelungen war, bis ins Äußerste zu erfassen. Dem grauen Schaft war jede Grazie lange abhandengekommen, die Wurzeln hatten einen Ring aus Pflastersteinen gesprengt und den Asphalt umher aufgewölbt, als wäre dieser nie anders als zähflüssig gewesen. Aber aufwärts bis an Schnittflächen, die man für rosig hätte halten mögen, strahlte die Borke beinahe birkenweiß. Noch der Widerstreit zwischen der schimmernden Helligkeit und schwärzlichen Aufbrüchen mehrte das Anrührende der Erscheinung. Als die Bahn eines hoch ziehenden Vogels die Krone querte, blinkte dieser dunkel in den Zwischenräumen auf, war jedoch mit einem Mal wie ausgelöscht und ließ vergebens auf sein neuerliches Sichtbarwerden am Himmel warten. Den Blick aufs Fernglas senkend, bemerkte A. dahinter einen etwa daumennagelgroßen, glattgeschliffenen Kieselstein. In dessen Ockertönen liefen Linien ineinander und verloren sich als krumme Keile zwischen den benachbarten Schichten, während andere einander kreuzten. In einer Art von Einklang, für den freilich nichts in der Waagschale lag, gegen den sich vielmehr eine Menge einwenden ließe, stimmten sie zu den Furchen des Handtellers, in dem A. das Fundstück zu drehen begann. Zugleich gaukelten sie schematisch Gewächse vor, welche mal aus einem Netz ausladender Brettwurzeln aufragten, mal im Spreiten zu spitzwinkeligen Laubengängen zusammenfanden. Indem das fälschliche Wedel- oder Wurzelwerk daran erinnerte, dass es sich einmal über das im Fragment Erhaltene forterstreckt hatte, erwies es sich als durch den ovalen Umriss in bloß zufälliger Weise begrenzt. Das Wissen um ein größeres Ganzes bedurfte nicht der Wahrnehmung desselben. Allerdings konnten solche Verstrickungen von Gestalt und Anschauung einen aus seinen Zusammenhängen in den Orbit um einen Kieselstein Geworfenen allemal gefangen nehmen.
Zuletzt blieben derlei Auffälligkeiten aus. Es sei denn, man hielte gerade den Umstand, dass keinerlei Spuren auf Launen des Wollens hinwiesen, seinerseits für auffällig. A. war zwar wieder an den gewohnten Platz zurückgekehrt, hätte jedoch den Eindruck eben jener Leere vermittelt, in die er zu starren schien. Je fester man ihn angeblickt hätte, umso gewisser wäre man sich beiseitegelassen vorgekommen. Unerforschlich, unendlich deutbar war das Gesicht. Derart, dass die Behauptung, es drücke Gleichmut aus oder Resignation, wohl nur die eigene Neigung verraten hätte. Womöglich wäre auch im einen Fall ein plötzliches Verdüstern der Missbilligung, im anderen ein Lächeln der Überlegenheit zu befürchten gewesen. Niemand hätte also zu entscheiden gewagt, ob es nicht auf eins hinausliefe. Indes befand sich das Notizbuch zugeschlagen an seinem ursprünglichen Platz und der Stift zwischen den anderen im Halter. Aber wer hätte dergleichen Bedeutung zugemessen?

05.07.2020

24.05.2020

Das Hochufer

Der Frühsommerabend war dazu angetan, den Heimweg weiter auszuholen zu lassen als üblich. So war ich ein beträchtliches Stück vor der Ankunft von der gewohnten Route abgegangen und würde nun bald auf Parkwegen schlendern, mal hierhin, mal dorthin mäandernd, als wäre nicht das Geringste daran gelegen, damit irgendein Ziel zu erreichen. Zuerst war allerdings noch die als einzige im Umkreis von abgestellten Fahrzeugen gesäumte Straße hinzunehmen  ein gestreckter, rampenartiger Zubringer, nicht etwa der dahinterliegenden Unterflurautobahn, vielmehr eines an erstere anschließenden, letztere überbrückenden, dabei aber deren sämtliche Zu- und Ausfahrten sowie über den Brückenkopf neben einer Ausfallstraße auch eine Straßenbahntrasse einbindenden, somit eines im fortdauernden Feierabendverkehr immens befahrenen, zugleich immens unterquerten Ungetüms einer Kreuzung. Doch schon die beiläufige oder bewusst dagegengehaltene Vorstellung des Parks und schließlich der Anblick vom Rand des Damms herab – das Herz des Knotens nun nicht mehr schräg voraus, sondern nach einer entschiedenen Wegwendung halb im Rücken, in knapper Folge an- und abschwellend, je nachdem, ob ein Lastwagen oder eine Straßenbahn nahe oder in einiger Distanz vorbeifuhr, auf andere Weise unter den Füssen erbebend und jegliches Geräusch des nur einen kurzen Abstieg entfernten Parks selbst im Oszillieren stetig überdröhnend – trotz alledem ließen sie mich an jene Ideallandschaften denken, die meine kindliche Fantasie sich einst ausgemalt, gelegentlich in einer plötzlichen Laune wie von einem erhöhten Punkt ungeschickt zu Papier gebracht und gleich darauf wieder abgetan hatte: an kleinteilige Archipele aus mannigfaltigen Landflecken mit Uferbuchten, trennenden Wasserarmen und verbindenden Stegen, Gebüsch und Baumgruppen, wo alles erzwungen war, ohne wieder Zwang auszuüben, gefällig, ohne Gefallen abzuverlangen, reine Großzügigkeit bis hin ins reichlich Weißgelassene.
Hier nun hatte freilich alles haarklein Gestalt. Das spärliche Weiß war Blüte des Spierstrauchs oder des Ligusters, war Federwolke oder Wangenflaum der Sperlinge, deren Familienklan mein Herantreten an den außen gerade zugeschnittenen, innen verwildernden Gebüschsaum aufgebracht missbilligte und hastig einwärts flatterte. Ein paar Schritte weiter wurde indessen auf einer der zertreten am Wegrand klebenden, verschieden roten Kirschen ein Rot im Loslösen lebendig, ließ im Aufschweben den Libellenleib erkennen, hielt noch einmal inne und schnellte fort. Anders als die zusammenfantasierten Bilder wollte dieser Park also mit Wirklichkeitssinn erfasst und als ein Stück neuer Nachbarschaft angeeignet werden: Der Damm schottete die Senke, wie überhaupt das gesamte linksufrige Siedlungsgebiet, gegen das Strombett, dessen Abkömmling sie war, ab. Ich wusste den gegenwärtigen Strom weit hinter mir in einen Anschein von Harmlosigkeit gefasst, wusste auch, dass sein Hauptarm vor Generationen unter der künstlichen Erhebung, an der ich immer noch stand, verlaufen war, und stellte mir nun dessen Fließen anstelle des Stehgewässers vor, das sich wie in einer Wanne durch den Park und jenseits einer Unterbrechung durch zwei Bahntraversen in der Andeutung eines Bogens forterstreckte. Dabei war es, als hätte ich dies nie zuvor betrachtet und als hielte der sich darbietende Zusammenhang – entgegen all dem schleunigen Fortkommen, dem sich mal da, mal dort die Schleusen öffneten, entgegen all der geballten Unrast, als deren Versprengte auch die ausscherenden Radfahrer in ihrem achtlosen Hinabpreschen erschienen – mich zu gesteigerter Aufmerksamkeit an.
Selbst in dieser Art von Vogelschau, die im Grunde eine Bulldozerperspektive war, von dieser höchsten Stelle aus, war der Park nicht in seiner Gänze zu überblicken. Somit bedurfte es einer willentlichen Vergegenwärtigung, den vor Augen liegenden mit den übrigen Teilen zu einem Gesamtbild zusammenzudenken. Während ich zugleich dem imaginierten Fließen nachsann, wurde ich so zum ersten Mal jener im Grün verborgen ein Stück weit hinter einem Nebenarm die Gegenseite des Parks bildenden Böschung als eines alten Hochufers gewahr. Es handelte sich also um einen zum Stillstand gebrachten, wohl nachträglich gleichmäßig abgeschrägten Prallhang, wo man siedelnd einst das Schicksal herauszufordern gewagt hatte. An diesem mussten vor Zeiten die Fluten geschürft und genagt haben, und mehr noch die überaus gefürchteten Eisstöße – wenn eine den Winter hindurch gewachsene Eisdecke im Antauen zerbarst, sich die Schollen schrammend in Bewegung setzten, sich übereinander schoben und alles dahinter aufstauten – welche mir, weil ich dergleichen lediglich von sehr alten, sehr grauen Fotografien in Büchern kannte, wie legendenhafte Ereignisse vorgekommen waren, ehe sich später andernorts Gelegenheit ergab, die Oberfläche des Stroms weithin zu Eis erstarrt zu sehen – häufiger aber wohl Hochwässer wie jenes, welches in frühesten meiner Erinnerungen an einem jüngeren Ufer unter einer trostlosen Wolkendecke, aus der es nicht einmal mehr regnete, den Fluss zur undurchsichtigen, maßlosen, sich zum Rand her jedoch merkwürdig erschöpfenden, trägen Urgewalt und meinen Vater ganz still gemacht hatte. – Drüben, über dem vormaligen Hochufer, wohnte ich jetzt.

2018/2020

09.05.2020

haiku #31


im rinnstein die streu
welker blüten – im windstoß
sprühlicht von flitter

29.03.2020

haiku #30


im prächtigsten baum
baut der specht eine höhle –
sein rufen verhallt

22.03.2020

Krötengeschichte

Ein längst nicht halbwüchsiger Junge – unnötig, ihn beim Namen zu nennen, denn dergleichen hätte jeglichem Altersgenossen geschehen können – entdeckte beim selbstgenügsamen Spielen am Rande des Vertrauten eine ihm durchaus imposant erscheinende Kröte, gefangen in einer Grube. Da ihn kindliche Scheu vor dem von nahem nur umso befremdlicheren Wesen davon abhielt, es zu befreien, seine noch weit größere Neugier aber nicht von ihm lassen mochte, begann er dessen Gefangenschaft dahin auszunutzen, dass er mit diesem kurzentschlossen etwas anstellte, das mit ein wenig Nachsicht als Versuch durchgehen könnte. Anstatt die Kröte beherzt herauszufangen, sammelte er Steinchen im Umkreis, hockte sich über das Erdloch und ließ diese geduldig, eines nach dem anderen, hineinfallen, um das Tier zum Springen zu bewegen und zu sehen, ob dessen Kraft ausreichte, die gar nicht so große Tiefe selbst zu überwinden. Dieses tat dann und wann, wie es eben getroffen wurde, einen halben Satz zur Seite, schien das solcherart nach und nach erzwungene Imkreishoppeln jedoch mit der altererbten Würde der Krötensippe überspielen zu wollen, machte jedenfalls kaum Anstalten in die Höhe zu springen. Erst beobachtete der Junge das Tier mit gespannter Ruhe, doch richtete sich einmal einer der Sätze ihm entgegen, dann vervielfachte sich der schwächliche Impuls in seinem mehr erschrockenen als freudigen Hochzucken. Dies ging eine Weile hin, ehe sein Interesse an dem unwilligen, trägen Versuchsopfer nachließ und er Zurufen Folge leistete, welche er im Zustand der Vertiefung noch überhört haben mochte. Alsbald nahm anderes seine Aufmerksamkeit in Anspruch, worüber er rasch zu vergessen schien.
Stunden später, und ohne, wie eben die Nacht, erst heraufzudämmern, stand die Erinnerung ungeheurer plötzlich vor ihm, da, wo sie ihm heimlich aufgelauert haben musste. Er war bereits ermattet, als er drinnen wie gewohnt ins Obergeschoß steigen wollte, doch die Sinne des Jungen mussten überwach sein, denn auch ohne Licht im Flur war es unbezweifelbar: Etwa in der Höhe des Treppenabsatzes saß das Grubentier, prallleibig, bemächtigend, und ohne ihn eines Blicks für wert zu erachten. Die Stiege, die sonst zuverlässig ins Behagliche führte – sie mochte vielleicht schwankend und tief werden, vor allem aber und mit Gewissheit wurde sie unzugänglich wie jene schmalen Tunnel, durch welche die Lurche die Straßen unterwanderten, wenn es sie im Frühjahr, im Schutz der Morgenstunden oder trüber Tage, mit Zwang einzeln erfasste und am Ende als Übereinandersteigende allesamt dem Wasser zutrieb. Unterdessen setzte im Düstern ein Gluckern ein, das etwa wie »Kloake« klang – und nun kullerte dieser Sumpflaut und kullerte abermals, immer und immer wieder, peinigend auf ihn herab. Da konnte man mit der Entschiedenheit des Unmöglichen alles ungeschehen machen wollen, konnte bei geschlossenen Augen die Wände umher verfließen, dunkle Schemen einer endlosen Flucht vorüberziehen lassen und darin zu kläglicher Kreatürlichkeit, zu wenig mehr als einem tauben Zustand verkümmern.
Als die Mutter dem Elend wie von fern her die Stirn befühlte, setzte er zu sprechen an, vermochte aber nur stumm die Lippen zu bewegen. Im Aufschlagen der Lider schien alles an ihm Gesicht, in einem unwillkürlichen Ruck der ganze Körper außer sich weisende Gebärde werden zu wollen, als ob er vor etwas warnte. Doch einmal erwacht, fand er sich erleichtert, und bald legte sich das Bedrängende der Bilder. Irgendwann, ein andermal würde es diese mit der Verlässlichkeit einer einseitig vergessenen Abmachung wieder aufrühren, gleichgültig, ob er nun begriffe.

07.03.2020

Die Rückseite des Texts

Nach dem Wiederlesen von Robert Musils Prosastück Slowenisches Dorfbegräbnis auf einmal die Vorstellung, man könnte (wie dieser die feierliche Versammlung in der Rückansicht betrachtet) auch Geschriebenes wenden, etwa so wie ein besticktes Tuch, und statt der mit so viel Bedacht gewirkten, die Erwartung von Mustern, Stimmigkeit und Folgerichtigkeit erfüllenden Schauseite, der bei der Herstellung das Augenmerk galt, käme alles Inwendige hervor – ein Nebeneinander von Unregelmäßigkeiten, groben Verknüpfungen, lose Überstehendem und anders Unschönem – und dieses durchaus nicht Chaotische (denn der Gestaltungswille bliebe ja erkennbar), bloß für sich Rätselhafte und irritierend Ungefüge der Fäden und Töne erzählte, indem es, gegen das Licht vielleicht gar vor dem Schatten des Zurechtgemachten, ein Konstrukt zeigte aus Routine, Nachlässigkeiten, Kunstgriffen und schierer Not – dieses hintenhinaus an niemanden Gerichtete erzählte am Ende eine andere, wahrhaftigere Geschichte…

23.02.2020

San Miniato

         Es  ist
        als  gründete
       im  Rückgrat
   eines  Urtiers
welches  blieb
      vom  Weichen
       einer  Flut
          die  Stadt
         als  schlügen
 sachter  drum
       die  Glocken
       den  Schlaf
         des  Wesens
        nicht  zu
             stören

04.02.2020

übers jahr/täuschungen


im neujahresschnee
ein fußpfad – niemand ist hier
bisher gegangen



vorfrühlingssonne –
selbst die ersten nachtfalter
taumeln jetzt ziellos



flirrende hitze –
auf dem asphalt verdunsten
sogar die schatten



nächtlicher nordwind –
im schein der laternen schwillt
rot des feuerdorns



eisige starre –
nur ein blasenbaum rasselt
tonlos im wind



[Ein neues (#29) und vier ältere, teils geringfügig abgeänderte haiku (#17, #22, #10, #16), vereint zu einem Zyklus]

11.01.2020

haiku #28


kahler zürgelbaum –
an diesem morgen schlägt er
mit hundert flügeln


31.12.2019

21.12.2019

Der Flughafen

(Variation nach Baudelaire) 

Die Aussichtsplattform eines Flughafens ist ein förderlicher Aufenthalt für eine vom Vexieren aller erdenklichen Hemmnisse kleinmütige Seele. Die sich auftuende Weite, die wohlgeordnete Choreografie der Abläufe, die durch Düsternis und Wetter weisende Befeuerung, das Schimmern der technischen Bauwerke ergeben ein Szenarium, welches das Gemüt erleichtert, ohne eine Anstrengung abzuverlangen. Die stattliche Erscheinung der Flugzeuge, die Strahlkraft ihrer Anstriche, die Unerschütterlichkeit, mit der sie sich über Widriges erheben, helfen Sinn für Stärke und Klarheit wiederzuerwecken. Mehr noch ist der Anblick geeignet, ein Hochgefühl, naturhaft und übermächtig, in demjenigen zu erregen, der ohne Antrieb schauend all den Bewegungen nachsinnt derer, die gehen oder kommen, die Willen aufbringen, wirklich zu reisen, und Entschlossenheit, über Landmassen und Skrupel sich hinwegzusetzen.

[Als Vorlage für diese Paraphrase diente Le Port (Der Hafen), eines der Petits poèmes en prose von Charles Baudelaire, welche in die vor 150 Jahren posthum veröffentlichte Sammlung Le Spleen de Paris aufgenommen wurden.]

24.11.2019

09.11.2019

San Marino

Pflaster und Wolke verhüllten
bis an die Mauerkrone
den Titanen.

Kein Wachturm sah den andern
– und weithin im Nebel
kein Land.

Im Andenkenladen warteten
Schwerter vergebens
auf Käufer.

20.10.2019

Vom Tod des Falters

(Hommage an Virginia Woolf)

Nun da sie ein Ende genommen hat, etwas in mir dieses Ende jedoch nicht ohne Weiteres zu übergehen vermag, wird aus einer Kette für sich betrachtet unerheblicher Geschehnisse eine kleine Geschichte, die in diesem Moment aufhört und beginnt. Vor mir befindet sich in einer offenen Dose ein verendeter Nachtfalter, ganz so, wie ich ihn zuvor durch die gläserne Tischplatte auf dem Boden bemerkt habe: rücklings, auf dem First des stumpfwinkeligen Flügeldaches liegend, nicht etwa stabiler auf eine der Seiten gekippt. Mein verhaltenes Atmen rührt an seine von jeder Luftbewegung gefährdete Balance. Der gestreckte Leib wirkt wie in säuberlich ausgelegtem Tuch aufgebahrt, flankiert, nach der Art der Ordensbänder, von schwarzen Floren. Die vorderen Beinpaare sind friedlich verschränkt, das hintere, länger erscheinende, graziös und fast vollkommen spiegelbildlich aneinandergeführt ein Trugbild ergebener Haltung, von der Totenstarre besiegelt. Jedenfalls habe ich sein unvermutetes Daliegen, hier unter dem Schreibtisch, als einen Vorwurf empfunden, zu dem kleinen Riss, wenn ein Wesen, dem wir eigenartig (vielleicht kaum bedacht und flüchtig nur) verbunden sind, stirbt
»Most decently and uncomplainingly composed« – mag dies auch die Mechanik der Erschlaffung vortäuschen, allzu gerne nehme ich den Wortlaut, mit dem Virginia Woolf schließt, als Bestärkung meines Eindrucks  »O yes, he seemed to say, death is stronger than I am«Und doch werfen in ihrem äußerlich so kleinen Text, den ich zur Hand genommen habe, um den Hergang zu verfolgen, das Erstarren, das Erlahmen, das letzte Aufbäumen alle Aufmerksamkeit zurück auf das leibliche Wesen – war es davor auch durchscheinend geworden für den Eindruck allgemeiner Vitalität wie die nicht und nicht zu überwindenden Fensterscheiben für den Blick auf das morgendliche Umbrechen eines Ackers unter dem Pferdepflug, die feuchte Krume, den Hügelzug dahinter und die Ausgelassenheit eines Krähenschwarms. Selbst der Bleistift, welcher sonst der Niederschrift ganz anderer, zeitlich ferner, fiktiver oder abstrakter Dinge gedient und noch nicht einmal angesetzt haben mag zur Würdigung des milden Septembertages, der innezuhalten schien im Verschieben der Gewichte – dieser Bleistift hält nun dazu her, dem Erschöpften aufzuhelfen, wobei er das Verhängnis erst recht offenbart. Um wie viel dringlicher im Rückblick das unbeirrte Versuchen, das unentwegte Flattern von einem Fensterfeld zum anderen! Gerade hatte der unbedingte Wille jenes kaum geachteten Wesens noch vor allem erstaunt und seine so begrenzte Teilhabe an der Fülle bewegt, als spiegelte sich darin etwas wider, klarer als es sonst vor Augen steht. Wie viel Gewicht bei alldem in der Schale des Lebens und wie fern der Gedanke, es bräuchte nur ein Geringes, und die Waage schlüge schon vor den Herbstnächten um! Denn es schien das Leben selbst, seine Essenz inkarniert in der bescheidensten möglichen Form. Nachdem ich die Zeilen auf und ab gelesen habe, fällt mein Blick wieder auf den Tisch vor mir. 
Was ist nun von dem Falter hier zu wissen? Nichts zeugt von einem Todeskampf, die beschädigten Flügelränder und das Fehlen eines Fühlers jedoch von Kämpfen des Lebens, jedenfalls von dessen Verschleiß. Stolz habe ich meine Beobachtung Tage zuvor anderen mitgeteilt, der wenig geläufigen Art Catocala puerpera – wegen. Die Spitzen der Hinterflügel waren erst auf den letzten, den verwertbaren Aufnahmen zu sehen gewesen, als der Falter noch in gespreizter Haltung an der Vorzimmerwand gesessen war. Die ersten Bilder hatten mich rätseln lassen, ob es sich etwa um ein Weidenkarmin handelte, oder doch um ein Rotes Ordensband wie jenes an anderer Stelle aufblitzende: »And the red underwing had circled round the light and flashed and gone. The red underwing had never come back, though Jacob had waited.« Dwaren die Beschädigungen bereits erkennbar, trotz der leichten Unschärfe. Freilich, davor hatte ich ihn aus den Augen verloren; versteckt war er vielmehr wohl die meiste Zeit gewesen. Abermals Tage zuvor hatte mich anderes mit ihm verbunden: »schein der nachtlampe / auf schnellt schwirrend ein falter / und stößt sich den kopf« – in jener vom Schlafzimmer an diesen Tisch hier geretteten Variante war der Moment am treffendsten eingefangen. Als ihn mein nächtliches Lichtmachen aufgeschreckt hatte – wie oft hat man dergleichen nicht schon erlebt  bereits da hatte ich den Ausgang nicht bedacht.

[Die kursiv gesetzten Zitate sind Virginia Woolfs posthum im Jahr 1942 erschienenen Essay The Death of the Moth sowie ihrem zwanzig Jahre früher veröffentlichten Roman Jacob’s Room entnommen.]